Wasser (1) - Nur ein Fingerhut voll

Eigentlich müsste unsere "Erde" "Wasser" heißen

Aus: „Naturstoff Wasser“; Vereinigung deutscher Gewässerschutz e.V.; Bonn 1995
Aus: „Naturstoff Wasser“; Vereinigung deutscher Gewässerschutz e.V.; Bonn 1995

Eigentlich müsste unsere Erde „Wasser“ heißen, denn ca. 70% ihrer Oberfläche ist von Wasser bedeckt.

Davon ist der überwiegende Teil Salzwasser in den Meeren. Nur etwa 0,6 % der Gesamtmenge kommen in Seen und Flüssen an der Oberfläche oder als unsichtbares Grundwasser vor. Die Hälfte davon befindet sich tiefer als 800 Meter unter der Erdoberfläche. Lassen Sie mich das an einem Beispiel verdeutlichen.
Eine Badewanne fasst 150 Liter Wasser. Wenn dies die Gesamtmenge Wasser der Erde entspricht, dann ist davon knapp ein halber Eimer (4,2 Liter) Süßwasser. Von diesem wiederum gut 75 % (3,2 Liter) Eis, knapp ein Liter ist Grundwasser und nur ein Fingerhut voll (0,02 Liter) ist freies und gebundenes Oberflächenwasser.
Süßwasser macht also nur einen winzigen Teil der gesamten Wassermenge unseres Planeten aus. Umso sorgsamer sollten wir mit diesem blauen Schatz umgehen. Schadstoffe, die über Umweltbelastungen in das Trinkwasser gelangen, erreichen alle Bevölkerungsschichten, und es gibt für niemanden eine Möglichkeit, sich dagegen zu schützen. Das Grundwasser ist mit allem, was über der Erde geschieht, verbunden, denn das Wasser versickert ja von dort, gleich ob Stadt, Acker oder Wald. Gleichzeitig gehören Gewässer und Ökosysteme mit „Nassen Füßen“ zusammen. Selbst terrestrische Lebensräume, die nur durch Regenwasser versorgt werden und wo die Pflanzen das Grundwasser nicht erreichen können, gehören zu diesem Geflecht von Beziehungen. Alles, was wir den Lebensräumen antun, kommt – wenn auch mit einiger Verspätung – im Trinkwasser an und damit zu uns zurück.

 

Quelle: https://www.wv-nord.de/de/wasser/wasserkreislauf.php
Quelle: https://www.wv-nord.de/de/wasser/wasserkreislauf.php

Am Anfang steht die Verdunstung über dem Meer. Dabei bleiben die Salze dort zurück. Der Wasser-dampf besteht also aus Süßwasser, er kondensiert und es bilden sich Wolken. Durch die bei uns vorherrschenden Westwinde, erreichen die Wolken das Festland und regnen ab. Nur ein kleiner Teil des Regens versickert. Offene Wasserflächen und die allgegenwärtige Vegetation sorgen dafür, dass der Kreislauf von Neuem gestartet wird. Wieder werden die Wolken westwärts getrieben und so gelangt der Regen immer tiefer ins Innere des Kontinents. Vor allem Wälder sind wichtig, damit dieser Kreis in Gang gehalten wird, da sie besonders viel verdunsten. Manchmal kann man nach einem Regenschauer beobachten, wie sich Dunstschleier zwischen den Bäumen bilden und der Wald zu rauchen scheint.

Der Weg zurück ins Meer kann mehr oder weniger lang sein. Das Wasser kann durch oberirdischen Abfluss als Bach, Kanal, oder Fluss zum Meer gelangen. Aber auch unterirdisches Grundwasser fließt letztendlich dorthin. Das Wasser, das der Mensch zur Nutzung in Haushalt, Industrie u.s.w. entnimmt wird zu 99% dem natürlichen Wasserkreislauf als Abwasser bzw. durch Verdunstung wieder zugeführt. In der Bundesrepublik Deutschland stammt etwa ein Drittel der Wassermenge, die dem Meer über Flüsse zufließt, aus Abwasserreinigungsanlagen. Ich habe gehört, dass das Wasser des Rheins etwa 4 – 5mal verwendet wird, bis es in die Nordsee fließt.