
Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hat 2024 den Planetary Health Check herausgegeben. Er untersucht, wie menschliche Aktivitäten die Umwelt beeinflussen, und
bewertet, in wieweit die Belastungsgrenzen der Ökosysteme überschritten und damit die Lebensgrundlagen auf der Erde gefährdet werden.
Ein internationales Forscherteam hat alle neun planetaren Belastungsgrenzen quantifiziert, welche zusammen einen sicheren Handlungsspielraum für die Menschheit definieren. Von
oben im Uhrzeigersinn gelesen sind das: Globale Erwärmung (CO2-Konzentration und Änderung der globalen Energiebilanz), neuartige Stoffe in der Umwelt (z.B. Pestizide/Plastik/Dioxide), Ozonabbau
in der Stratosphäre, Luftverschmutzung, Ozeanversauerung, Veränderung von biogeochemischen Kreisläufen (Stickstoffkreislauf und Phosphorkreislauf), Veränderungen im Süßwassersystem (blue= Wasser
in Seen, Flüssen und Grundwasser, green= Wasser im Boden, Regen und Pflanzen), Veränderung der Landnutzung (z.B.: Abholzung, Versiegelung der Böden, Trockenlegung von Mooren) und zuletzt
Störungen der Biosphäre (Schwächung der ökologischen Widerstandskraft, Verlust der genetischen Vielfalt).
Die Graphik macht deutlich: Sechs von neun planetaren Grenzen sind heute überschritten. Die Widerstandsfähigkeit des Planeten hängt eben von weit mehr ab als nur vom Klimawandel.
Die zweite Säule für Stabilität ist die Funktionsfähigkeit der Biosphäre. Die Analyse ergab hier eine Überschreitung, welche schon seit dem späten 19. Jahrhundert besteht, als die Land- und
Forstwirtschaft weltweit stark ausgeweitet wurde. Dieser Befund passt zu meinen Ausführungen in Folge 4 des Blogs. Der „moderne“ Landbau scheint mir Treiber aller Grenzüberschreitungen zu sein.
50 Jahre nach dem Buch „Die Grenzen des Wachstums“ schreibt der CLUB OF ROME: „Die Art, wie wir Landwirtschaft betreiben und Lebensmittel transportieren und verbrauchen, belastet die planetaren Grenzen mehr als alles andere. Der Agrarsektor ist einer der größten Verursacher von Treibhausgasemissionen. Außerdem ist er die wichtigste Ursache für Entwaldung und den Verlust von Biodiversität und der bei Weitem größte Verbraucher von Süßwasser. Hinzu kommt ein Übermaß an Düngemitteln, die in die Luft, in Flüsse und Seen und ins Meer gelangen, riesige Totzonen erzeugen und die globale Erwärmung noch mehr vorantreiben.“ (The Club of Rome: Earth for All; 2022; S.143)
Damit ist ein „Weiter so!“ keine Option. Wie soll es dann weitergehen? Die Biosphäre ist bereits so geschädigt, dass ein Erhalt des status quo nicht mehr ausreicht. Wir müssen sie heilen. Oder besser: ihr helfen, sich selbst zu heilen – und das schnell!
Dafür braucht es allerdings einige Paradigmenwechsel in unserem gesamten Ernährungssystem. Für den Landbau gilt dann: oberstes Ziel ist der langfristige Erhalt der
natürlichen Bodenfruchtbarkeit und nicht Ertragssteigerung um jeden Preis. Hunger lässt sich nicht mit degradierten Böden bekämpfen. Manche Forscher befürchten, dass wir nur noch ca. 60
Ernten einfahren können, wenn wir so weiter machen wie bisher. Die Politiker müssen begreifen, dass sie den Umbau mit flankierenden Maßnahmen begleiten müssen und Menschen brauchen die
Möglichkeit, sich zu fairen Preisen mit gesunden Nahrungsmitteln (d.h. auch weniger Fleisch) zu versorgen.
Und jetzt die gute Nachricht: Böden kann man regenerieren (erneuern, auffrischen, wieder voll gebrauchsfähig machen), indem man natürliche Vegetationssysteme imitiert (davon
später mehr). Das funktioniert zwar nicht immer und braucht seine Zeit, aber es ist grundsätzlich möglich. Gleichzeitig müssen sich auch die gesellschaftlichen Verhältnisse
ändern. Dies kommen nur in Gang, wenn sich innere Einstellungen ändern, im Zweifelsfall gegen den Mainstream. Im vorherigen Blog stellte ich fest: „Wir sind Natur!“. Könnte es sein, dass
wir unsere weit fortgeschrittene mentale Trennung und Abspaltung von der Natur erst einmal „heilen“ müssen? Benutzen wir Natur nur als Kulisse für, zum Beispiel, unseren Körperkult oder
ermöglichen wir uns und unseren Kindern eine wirkliche Begegnung mit b e l e b t e r Natur? Sie könnte uns altruistisches, nachhaltiges und regeneratives Handeln und Leben
lehren. Aus dieser Überlegung heraus habe ich für das Jahr 2026 eine Folge von Sonntagsspaziergängen für Familien konzipiert, bei denen die Natur im Vordergrund steht, und kleine Spiele
und Aufgaben die Achtsamkeit und Wahrnehmung schärfen. Auf einem Naturspaziergang entstand so 2024 „Mias Baumfreund“.(Foto:T.Wurm)
