Wer die Erde langfristig fruchtbar erhalten will, muss sich seine Methoden bei natürlichen Boden-Pflanze-Systemen abschauen, die eine lange gemeinsame Evolution verbindet und daher an die lokalen
Besonderheiten kleinräumig angepasst sind. Ein „Landwirtschaft mit Köpfchen“ wird das, was sie tut, an die Bedingungen vor Ort anpassen und nicht umgekehrt! (Vgl. dazu David R. Montgomery:
Dreck-warum unsere Zivilisation den Boden unter den Füßen verliert; S. 317f)
Und die Methoden dazu sind alte Bekannte: minimale Bodenbearbeitung, maximale Pflanzenvielfalt in Form von Mischkulturen, permanente Bodenbedeckung, Erhaltung ganzjährig lebender Wurzeln und eine
integrierte Nutztierhaltung. Kompost hält die Nährstoffe im Kreislauf und nährt die Bodenfauna. Gleichzeitig wird Dauerhumus aufgebaut, was CO2 im Boden bindet, Wasser und Nährstoffe
pflanzenverfügbar hält, Ausschluss von chemischen Pestiziden und Düngern u.v.a.m.
Praktiken wie Öko-Anbau und regenerative Landwirtschaft setzen zumindest Teile dieser Agenda um. Es gibt aber eine -außerhalb des Globalen Südens noch wenig bekannte- Form der Landwirtschaft: die
Agrarökologie. „Sie betrachtet nicht nur die Landwirtschaft selbst, sondern auch die wirtschaftlichen, politischen und sozialen Aspekte, die mit unserer Ernährung
zusammenhängen. Zum Beispiel: Erhalten Bäuerinnen und Bauern ein existenzsicherndes Einkommen? Kann Land so verpachtet werden, dass es dem Gemeinwohl dient? Wie lässt sich traditionelles
Saatgut erhalten, das an lokale Bedingungen angepasst ist und den Bäuerinnen und Bauern mehr Unabhängigkeit gibt?“ Das macht Agrarökologie zu „einem Konzept für eine nachhaltige und gerechte
Umgestaltung von Landwirtschaft & Ernährung weltweit. Agrarökologie ist ein bottom-up Ansatz und beruht auf lokalem, traditionellem Wissen, kombiniert mit modernen wissenschaftlichen
Erkenntnissen.“ (Zitate und Graphik aus: Inkota-Infoblatt Welternährung, Agrarökologie)
(Weitere Informationen: Das wirtschaftliche Potenzial der Agrarökologie, Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ), 2024). Leider wird in Deutschland Agrarökologie von vielen
Politikern nur als Teil der Wissenschaft betrachtet und noch nicht als relevantes Modell für eine Entwicklung unseres Ernährungssystems hin zu einer starken Nachhaltigkeit. Damit das geschieht,
braucht es das demokratische Engagement von Vielen für die Ernährungswende, zum Beispiel in lokalen Ernährungsräten, in der Solidarischen Landwirtschaft usw.
Die noch wenig bekannten Ernährungsräte sind Gremien in denen Menschen aus Zivilgesellschaft, (Land-)Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung, das heißt alle, die mitmachen wollen, an
einem Tisch sitzen und über eine regionale und selbstbestimmte Ernährung beraten. „Wenn wir unser Know-how und unsere Ressourcen bündeln, um eine wirkliche Ernährungs- und Agrarwende
herbeizuführen, wenn wir die Akteure in unserer Stadt oder in unserer Region kennenlernen wollen, um gemeinsam mit ihnen an Ernährungsprojekten zu basteln und zu werkeln, dann sollten wir soziale
und ökologische Fragen nicht getrennt voneinander behandeln, sondern sie zusammendenken. Ein Ernährungsrat kann nur dann zu echter Ernährungssouveränität beitragen, wenn Menschen jedes
gesellschaftlichen Hintergrunds beteiligt sind und nicht nur privilegierte Bevölkerungsgruppen.“ (Unser Essen mitgestalten; Inkota, 2017. S.12)
Fazit: Essen geht uns alle an! Für eine gesunde Ernährung braucht es lebendige Böden. Wir brauchen sie für den Erhalt der Biodiversität insgesamt, weil sie ein gesundes Leben für
unsere Kinder garantiert. Dafür brauchen wir einen Paradigmenwechsel im Ernährungssystem. Veränderungen dürfen nicht eindimensional gedacht werden, sondern sollten in einem demokratischen Prozess
auf den Weg gebracht werden, der neben den wissenschaftlichen auch soziale und wirtschaftliche Aspekte beachtet. Wir NaturschützerInnen stehen dabei nicht außen vor dem Tor, wir arbeiten mit,
denn gesunde Böden sind die Basis für Landbau und Naturschutz! (Vgl. dazu
https://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/Publikationen-PDF/Landwirtschaft/Boden-Naturschutz-Landwirtschaft-Kernthesen-Forderungen.pdf )

