
Das unsichtbare Netz des Lebens
So heißt das leider vergriffene Buch von Martin Grassberger, das 2021 im Residenz Verlag erschienen ist. Darin beschäftigt er sich damit, wie Mikrobiom, Biodiversität, Umwelt und Ernährung unsere
Gesundheit bestimmen.
Im Boden siedeln Milliarden von Bakterien, Pilzen, Viren und Einzellern. Sie bilden das Bodenmikrobiom.
„Untersuchungen haben gezeigt, dass die Nahrung möglicherweise einen größeren Einfluss auf die Zusammensetzung des Darmmikrobioms hat als die Gene des Menschen. So weisen Mitglieder derselben Familie, die an verschiedenen Orten leben, größere Unterschiede in ihrem Mikrobiom auf als genetisch nicht verwandte Personen, die im selben Haushalt leben und einen ähnlichen Lebens- und Ernährungsstil pflegen. Ein vielfältiges, gesundes Mikrobiom der Böden, auf denen Obst- und Gemüsepflanzen, Getreide und Kräuter wachsen, ist für die menschliche Gesundheit wichtig. Eine hohe Bakterienvielfalt im Darm stärkt das Immunsystem und fördert die Widerstandsfähigkeit des ganzen menschlichen Organismus.“
„Allerdings sind die nützlichen Mikroben im Boden vielfältigen Bedrohungen ausgesetzt. Pestizide gegen Beikräuter, Insekten oder Pilze schädigen Organismen in und auf Böden. Beeinträchtigt werden sie auch durch den Einsatz von Mineraldünger, Erosion, Temperaturveränderungen und Dürren, die im Kontext der Klimakrise zunehmen. Dadurch fehlen Nutzpflanzen heute viele ihrer wichtigen Symbiosepartner wie Pilze und Bakterien.“
„Der Mensch kann nur elf der 20 Standardaminosäuren selbst herstellen – die anderen neun sowie alle 13 essenziellen Vitamine müssen mit der Nahrung aufgenommen werden. Die meisten dieser
Aminosäuren und Vitamine stammen aus Obst und Gemüse, aus Fleisch, Eiern, Milchprodukten. Einige wesentliche Verbindungen aber werden von Mikroben produziert. So kann das Vitamin B12 weder von
Pflanzen noch von Tieren selbst gebildet werden, sondern nur im Mikrobiom von Pflanzen oder im Darm von Wiederkäuern. Dies ist ein Beispiel für die Produktion von Aminosäuren und Vitaminen durch
Mikroben; abgesehen davon synthetisieren sie auch sekundäre Pflanzenstoffe und Chemikalien und Medikamente wie Antibiotika. Werden diese Abläufe behindert oder die synthetisierten Stoffe
vernichtet – etwa durch Chemikalien, die Früchte und Gemüse auf langen Transportwegen schützen sollen, werden auch nützliche Mikroorganismen entfernt. Dies führt langfristig zu Störungen des
Darmmikrobioms. Es kann verschiedene Magen-Darm-Erkrankungen auslösen und zur Entwicklung von Immunerkrankungen, Diabetes, Fettleibigkeit oder chronischen Nierenerkrankungen beitragen. Um das zu
verhindern und die menschliche Gesundheit zu fördern, braucht es gesunde Nahrungsmittel. Und dafür gesunden Boden.“
Dass dieses komplexe Netzwerk existiert, sollte uns nicht überraschen. Und dass uns der Verlust von Biodiversität krank macht, auch nicht. Seit mehr als 3,5 Milliarden Jahren haben sich alle
Lebensformen – seit kurzem auch die Menschheit - in Co-Evolution mit ihrer belebten und unbelebten Umwelt entwickelt. Mensch und Natur sind untrennbar verwoben: Wir sind Natur! Wir
können nicht unabhängig existieren.

Seit wir das vor 200 Jahren vergessen haben, wurde die Erde (und andere Menschen) ausgebeutet durch ein lineares Wirtschaftssystem, das Ressourcen abbaut, verbaut, nutzt, wieder wegwirft und entlang der ganzen Kette die Umwelt verpestet. Das Ergebnis: Für horrende Geldsummen soll der Mars bewohnbar gemacht werden! Da sollten die Kolonisten aber ihren eigenen Boden mitbringen, denn der Marsstaub enthält giftige Stoffe, die selbst hartgesottenen Bakterien nicht bekommen, geschweige denn einem Menschen. Wäre es nicht besser, alle Kreativität in die Regeneration unserer Erde zu investieren?
